Mortal RemainsWuppertal, Proberaum 15.11.2005>> Mehr Material zur Band
In einem Luftschutzbunker im Stadteil Wuppertal – Barmen haben die Herren von Mortal Remains ihren Proberaum eingerichtet. Nach dem Durchwandern von ein paar dunklen Gängen tat sich dieser auch für uns auf, so dass wir auf dem großen Sofa neben den Musikern Platz und eine der auf dem Tisch stehenden Bierflaschen nahmen. Nach dem netten Plausch bekamen wir dann noch drei neue Songs vorgespielt, die im Hinblick auf einen Nachfolger der „Full Speed Ahead“ – Platte von 2003 ziemlich schnell einen klar formulierten Wunsch aufkommen ließen: Gebt Mortal Remains Zeit und Geld!

Der Markus hat uns ja schon eine ausführliche Biographie von euch geschickt, die dann halb ins Review eingeflossen ist, so dass ich mir die konkrete Frage danach mal spare. Beginnen wir doch vielleicht mit einer anderen allgemeinen Frage: Was erwartet die Leute bei Mortal Remains?

Stephan: Old School Thrash Metal!

Matthias: Musik, die direkt auf den Punkt kommt und schön nach vorne geht… Und meistens nicht länger als dreieinhalb Minuten pro Song ist. (lacht)


Wie kam denn euer Bandname zustande?

Stephan (nachdem Matthias auf ihn deutete): Oh, da fragst Du mich jetzt aber wat. Ich habe irgendwie mal Texte usw. von anderen Bands durchwühlt und bin irgendwie mal drauf gestoßen, so genau weiß ich das gar nicht mehr.

Du weißt aber nicht von wem der Text oder so war?

Stephan: Nee, das war irgendwie so zusammengewürfelt mit Texten, Alben oder so. Irgendwie so war dat. Es standen mehrere zur Auswahl, aber der hörte sich am besten an. Eigentlich war er auch definitiv noch nicht da… Eigentlich, bis auf diese jugoslawische Band und noch eine Band in New York.

Matthias: Richtig, die Amis. Aber hier in Deutschland haben wir die Namenshoheit.







Wie ist denn im Moment der Stand der Dinge: Markus hat bereits bei einem eher zufälligen Treffen auf einer unserer Metalpartys was erzählt. Euer Album liegt nun schon zwei Jahre zurück, ihr habt viel live gespielt und zwischendrin gab es noch Probleme mit dem Line up. Kann mal kurz jemand die momentane Lage beschreiben?

Matthias: Aktuell nehmen wir eine EP auf. Bei drei Songs steht jetzt die Schlagzeugspur und wir basteln halt am Rest. Wir suchen Ideen, mit denen wir das eventuell schmackhaft machen können. Als Lebenszeichen.

Ohne einen separaten Sänger!?

Matthias: Ja, das singe ich wieder ein.

Stephan: Wie auf der „Full Speed“ halt.


Das ganze passiert aber nicht im Studio, sondern wie schon bei der „Black Metal“ – Single hier bei euch im Proberaum?

Matthias: Nee, die nehmen wir hier auf.

Stephan: Ja, das wird hier gemacht.


Seid ihr denn dann damit zufrieden?

Stephan: Wir müssen damit zufrieden sein. Das ist so das Ding, wenn dir die Mittel fehlen und eigentlich der Studioaufenthalt geplant war, mit dem Jens, der ausgestiegen ist. Mit dem Ausstieg vom Jens sind dann auch mitunter die finanziellen Mittel flöten gegangen. Astreines Tennis, da darf ich gar nicht drüber nachdenken, da kriege ich schon wieder eine Hasskappe. Wir werden das Beste rausholen und gut.

Und wie sieht es mit der Zufriedenheit bezüglich „Full Speed Ahead“ aus? Immerhin könnt ihr die Scheibe nun schon mit zwei Jahren Abstand betrachten.

Matthias: Also ich würde heute nichts anders machen. Ich bin voll zufrieden. Es ist nur schade, dass uns damals das Geld und die Zeit ausgegangen sind. Das hätte ruhig alles noch etwas länger sein können, als drauf ist, aber da waren wir eben ein bisschen limitiert.






Ihr ward auch gerade mal eine Woche im Studio. Es gibt also kein Riff beispielsweise, bei dem ihr sagt, das ist scheiße und wünscht euch, es lieber rausgelassen zu haben?

Stephan: Nö, wir sind durchweg zufrieden. Für die Zeit das Produkt – astrein!

Die Texte kann man ja nicht nachlesen…

Matthias: Stopp, die kannste nachlesen und zwar auf der Homepage. (lacht)

Ach ja, … äh, kannst du trotzdem noch mal kurz anreißen, worüber sie so gehen. Krieg ist sicherlich ein Thema?

Matthias: Mitunter.

Stephan: „Warhead“ zum Beispiel – Krieg!

Matthias: Richtig, „Warhead“ geht über den Kriegskopf. Der Song ist so aus der Perspektive der Vernichtungsmittel selber geschrieben. Lies Dir die Texte durch, ich kann da selber gar nicht so viel drüber sagen. ich finde es schwer, über die eigenen Texte zu reden.


Aber es ist alles fiktiv und nicht etwas sozialkritisch oder aus einem Gefühl heraus?

Matthias: Es geht, also die Texte sind angelegt, einerseits eine Gefühlslage zu transportieren. Z.B. wie bei „Adrenalized“, wo es darum geht, wie es ist, wenn das Adrenalin durch einen durchpumpt. Andererseits ist „Follow me“ kritisch gegenüber Militarismus.

Wo nimmst du die Ideen her, was sind da so deine Inspirationen?

Stephan: Mach den Fernseher an.

Matthias: Ich muss fertig werden. (lacht) Das ist ganz lustig, die Texte entstehen bei mir, indem ich irgendeinen Scheiß brülle. Erst einmal eine wilde Zusammenstückelung englischer Wörter, aber schon als Melodie. Irgendwann bin ich in der Situation, dass ich für diese Melodie auch mal Wörter suchen muss. Ich nehme dann das, was gerade passt. Das kommt dann meistens unterwegs, beim Autofahren oder so. Das sich einer von uns vornimmt, über das und das zu schreiben, gibt es nicht, die Themen kommen spontan.







D.h. ihr schreibt alle zusammen?

Stephan: Im Grunde schreibt er alles alleine. Die Sachen werden mal eben abgeklärt, ob alles okay ist. Dann bekommt er von uns die letzte Ölung und dann ist es okay.

(es wird eine kurze Pause eingelegt und jeweils eine Bierflasche ergriffen. Nach einem kräftigen Schluck aus den Pullen geht es dann auch gleich weiter)


Habt ihr denn als die Platte erschienen ist auch Sachen an Labels rausgeschickt?

Stephan: Mehr als genug.

Matthias: Es geht. Eigentlich nur an die großen, von denen wir eh eine Absage erwartet haben.

Stephan: Wir sind auch an die kleinen gegangen. Geht. Nicht übertrieben, aber es sind schon ein paar Dinger rausgegangen.


Und, was habt ihr gehört?

Stephan: „Zur Zeit kein Bedarf!“ Isso.

Matthias: An die ganz kleinen sind wir nicht rangegangen und einen puren Vertrieb haben wir auch noch nicht angesprochen. Das wollten wir jetzt machen, wenn wir genug Material aufgenommen haben. Dann wollen wir mal rumhören, was da zu machen ist.


Ist denn so ein Mini – Label eine Alternative für euch? Da hat man ja meistens recht miserable Konditionen, dass man z.B. seine Rechte abtreten muss usw.

Stephan: Das kommt auf die Konditionen an. Rechte abtreten tun wir schon mal gar nicht. Eigentlich wäre uns ein Vertriebsdeal am liebsten, der uns auch bei Gigs unterstützen könnte. Also einen festen Plattenvertrag mit z.B. Nuclear Blast oder Roadrunner klappt mit unserer Musik gar nicht. Dafür gibt es viel zu viele Bands. Da bist du automatisch zu Dingen verpflichtet und wir haben alle Jobs. Wo willst du die Zeit für einen Support hernehmen? Das wollen wir ja alle gar nicht. Es wäre uns damit gedient, wenn man unsere Platte unters Metal – Volk bringen würde, so dass wir das nicht mehr selber machen müssten.

Glaubst du denn, dass du mehr Möglichkeiten hast, wenn du bei einem kleinen Label bist, als wenn du dich da selber hinterklemmst?

Stephan: Definitiv. Alleine die Mundpropaganda macht es, weil die kleinen Labels den Underground unterstützen. Auch Old School Death und Thrash. Die großen verbreiten ja im Grunde nur die Musik, die gerade angesagt ist: Slipknot etc.

Matthias: Es ist schon ein großer Fortschritt, wenn man zumindest überall zu kriegen ist.

Stephan: Nicht unbedingt im „Saturn“, aber bei diversen Mailordern, die jeder kennt. Wenn wir da drin sind, haben wir damit schon mächtig was gewonnen … gehen wir mal von aus.


Bei Nuclear Blast seid ihr doch drin, hat der Markus erzählt. Wie ist das dazu gekommen, habt ihr einen Bekannten dort?

Stephan: Einfach nur genervt. Den Leuten tierisch auf den Sack gegangen. Wir sind jetzt eine Zeit lang unter dem 6,66 Euro Special zu erhalten. Die haben uns eine Chance gegeben.





Merkt ihr das an den Verkaufszahlen?

Matthias: Hat nicht funktioniert, wir gehen in der Masse unter. Guck dir den Nuclear Blast – Katalog an. Ich glaube nicht, dass es so auffällig ist, wenn da mal irgendwo „Mortal Remains“ steht, so dass jetzt einer sagt: Das muss ich unbedingt haben!

Stephan: Es sind zwar CDs verkauft worden und es stand auch eine Review dabei. Die haben sich also Mühe gegeben, dafür, dass wir eigentlich eine Null sind im Metal Bereich. Wir sind gut angepriesen worden, aber es ist nicht so, dass man denkt: Boah, Nuclear Blast, da können wir mal wieder 1000 Stück hinschicken! – So natürlich nicht.


Wieviele CDs sind bisher generell weggegangen?

Stephan: 800 sind jetzt weg!? Wo auch Promos dabei sind. Verschenkte oder für Magazine, Webzines etc.

Ihr habt auch sehr gute Kritiken bekommen.

Stephan: Die Reviews sind sehr, sehr gut. Auch nachzulesen auf der Homepage. Da haben wir nicht nur die Besten hingestellt, sondern es stehen alle dort. Die sind durchweg recht positiv.

Vor allem auch von großen Magazinen.

Stephan: Unter anderem Rock Hard…

Matthias: Die Rock Hard hat dafür 8 Monate gebraucht, das abzudrucken. (lacht)

Stephan: Dafür waren wir in der Richterskala die einzige Band ohne Plattenvertrag auf Platz 42.

Matthias: Lass mich nicht lügen, ich glaube, wir waren unter den ersten ein oder zwei Bands des unteren Drittels.

Stephan: Das macht natürlich ein bisschen stolz. In der Legacy waren wir auch drin.

Matthias: Aber nicht in der Richterskala.

Stephan: Nee, nee. Als normale Review.


Aber mit der Frage nach einem Bericht oder Interview sind die nicht an euch herangetreten?

Stephan: Nee, gar nicht.

Matthias: Das kannste als Undergroundband total vergessen. Da musst du schon einen Status haben, wie jetzt beispielsweise Contradiction, die seit 15 Jahren regelmäßig ihre Gigs abreißen. Die hatten jetzt vor ein paar Monaten ihr erstes Interview auf einer drittel Seite im Rock Hard. Also, so schnell kommst du in diese Magazine nicht rein.


Da haben die das Foto allerdings verkackt.

Matthias: Richtig, das hat uns Koffer auch erzählt.

Stephan: Ohne die nötigen Pinunzen kommst du da nicht rein. (lacht)


Neue Songs habt ihr ja schon fertig. Wie geht ihr beim Songwriting vor, tüftelt jeder zu Hause und bringt was mit oder setzt ihr euch hier hin und arbeitet gemeinsam oder wie geht das von statten?

Matthias: Unterschiedlich. Wie würdest du das beschreiben, Markus?

Markus: Ich würde es so beschreiben, dass die Dinger soweit fertig waren, als ich eingestiegen bin. Deshalb kann ich dazu nicht viel sagen.

Matthias: Aber du hast auch ein paar mitgemacht.

Markus: Gut, aber die habe ich dann alleine gemacht.

Stephan: Im Großen und Ganzen machen sich die Gitarristen einen Kopf darum. Mal zu Hause, mal hier, das ist unterschiedlich.


Seid ihr euch da weitestgehend einig oder gibt es auch mal verschiedene Meinungen?

Matthias: Es gibt auch mal verschiedene Meinungen.

(allgemeines Lachen der Band)

Stephan: Es gibt Riffs, die hier ankommen, wo wir sagen: Geil! Aber es gibt auch Dinger nach dem Motto: Alter, spiel das noch einmal und ich bringe dich um!

Matthias: Es gibt auch so Stillhalteparolen. Mir gefällt es zwar nicht, aber ich spiele es trotzdem und warte mal ab, was am Ende rauskommt. Soll schon mal vorgekommen sein, dass es zum Schluss besser geklungen hat. (lacht)


Habt ihr eine Marschroute, dass ihr Balladen beispielsweise von vornherein ausschließt?

Matthias: Schnulzen spielen wir nicht!

Stephan: Schnulzen spielen wir nicht, aber wir lassen es auf uns zukommen.

Markus: Das würde ich auch sagen. Eine richtige Marschrichtung bei dem, was wir bisher gemacht haben, gab es nicht. Einen gemeinsamen Geschmack haben wir sowieso, so dass es sich irgendwo in die Richtung entwickelt. Am Anfang war es so, dass es ein paar Dinger gab, als ich eingestiegen bin, die mir persönlich überhaupt nicht gefielen, aber da habe ich mich dann auch zu Hause hingesetzt und gesagt, ich mache mal einen, wo ich wirklich nur blöd anschlagen und durch muss. Das war dann schon bewusst, aber an und für sich gilt: Wenn was passiert, dann passiert wat. Wir sind aber keine Band, die sich eine halbe Stunde hinstellt, spielt und dann drei neue Songs hat, also das können wir nicht.


Seid ihr permanent dabei, neue Songs zu schreiben? Oder guckt ihr, dass ihr die Dinger macht, wenn es ansteht?

Stephan: Nee, so wie die Ideen gerade fließen. Man kann ja nichts erzwingen und vor allem ist es Job abhängig. Du hast kaum Zeit und die Proben bzw. die Zeit für das Instrument sind ein bisschen wenig.

Matthias: Wir haben Bearbeitungsstau.

Stephan: Viele Ideen sind da, wir haben auch neues Material, aber vieles ist noch nicht so ausgearbeitet. Wir haben auch angefangen, nur Ausarbeiten dauert halt und die Zeit ist nicht immer da – leider!

Matthias: Wenn da fünf oder sechs Sachen auf der to do – Liste stehen, nimmt man auch schon mal was auf und legt es bei Seite. Dann kann man darauf zurückgreifen.






Es gibt aber schon einen gewissen Druck von außen? Markus sagte, ihr spielt schon neue Songs live und die Platte ist nun auch schon zwei Jahre draußen, da wollen die Fans sicher was Neues.

Stephan: Fragen kommen natürlich schon. Es gibt ja auch ein paar Hardcore – Fans, die sagen: Männer, ihr müsst mal wieder! Wir sind ja auch dabei, aber wir brauchen die Mittel und die Zeit.

Markus: Ich würde jetzt nicht sagen, dass die uns unter Druck setzen, das ist falsch. Wir setzen uns selber unter Druck, weil einfach die Sache ist, dass die Hardcore – Fans die ganzen Konzerte besuchen und die Songs schon kennen. Eine neue Platte lebt ja davon, dass man auf ihr etwas Neues entdecken kann und wenn die Leute dann sagen: Kenn ich ja schon, kenn ich ja schon - ist das nicht ganz so ideal. Deswegen haben wir eher selber den Druck.


Ihr sagtet ja, euch fehlen die Mittel. Habt ihr den Anspruch, die neue Platte im Studio aufzunehmen oder wäre es eine Alternative, die Sachen hier aufzunehmen und sie dann zum mastern wegzugeben, dass da noch viel gerissen wird?

Matthias: Das Problem ist der Schlagzeugsound.

Markus: Wir haben das mal durchgesprochen, generell ins Studio zu gehen ist nicht verkehrt. Das was wir hier zum Aufnehmen haben, ist eher so Billigkram, also wenn man das ins Auge fassen würde, müsste man auch investieren und es würde im Endeffekt auf dasselbe hinauslaufen. Der Vorteil wäre, dass man für zukünftige Sachen den Kram hier hätte. Keine Ahnung. Ich denke, im Studio wirkt das doch anders. Wenn irgendwo draufsteht, dass es im Studio gemacht wurde und nicht anders, selbst, wenn das gut gemacht ist, ist das was Anderes.

Matthias: Im Studio stehst du mehr unter Druck, denn du weißt, jede Minute kostet Geld. Ein, zwei Leute sitzen da, die sich mit der Technik auskennen, so dass es für mich persönlich ein konzentrierteres Arbeiten gibt. Du kommst schneller voran. Hier sind zu viele Faktoren, die dich ablenken. Da steht auf dem Tisch kein Bier oder du hast generell mal eine scheiß Laune und kommst nicht vorwärts. Das ist anders, wenn der Studiotermin gebucht ist und du weißt, du musst dafür bezahlen.


Ihr habt zwei Konzerte, die noch ausstehen: Einmal eins mit Contradiction in diesem und mit Perzonal War im nächsten Jahr. Bei dem Gig mit Perzonal War habt ihr sicherlich mal die Chance, auch anderes Publikum anzusprechen, die nicht unbedingt wissen, was Old School Thrash ist. Die Leute, die bei Contradiction sind, werden euch ja wohl auch kennen.

Matthias: Das weiß ich gar nicht mal. Bei der Sache in Bonn sind Aardvarks der Publikumsmagnet. Das ist eine Köln/Bonner Thrash Metal – Band und da wird wieder ein ganz anderes Publikum sein. Viele werden Contradiction kennen, weil die schon mal mit denen gespielt haben, aber uns jetzt nicht.

Aber vom musikalischen Standpunkt her gesehen habt ihr doch dann trotzdem gute Chancen, das geht ja dann in die gleiche Richtung.

Matthias: Ja, definitiv.

Stephan: Zumal wir schon einmal dort gespielt haben, in der Klangstation.

Matthias: Richtig, also ein paar Bonner dürften sich noch an uns erinnern.


Wollt ihr in diesem Jahr denn noch viel live reißen oder war es das erst einmal?

Stephan: Ja, also geplant ist jetzt eigentlich nichts mehr, aber wenn wat kommt und es nicht zu heftig in den Zeitplan eingreift, machen wir dat. Wie gesagt, wir haben die Arbeit, die Aufnahmen hier…

Matthias: Das ist immer ein großes Problem dieses Jahr gewesen. Der Ausstieg vom Jens hat mich gezwungen, die Sachen mit Gesang einzuüben, weil ich vorher nur Background gemacht habe. Das ist schon eine andere Sache, wenn du voll durchsingst. Nachdem das jetzt einigermaßen funktioniert, müssen wir gucken, dass wir das neue Material in den Kasten kriegen.

Markus: So hat sich das das ganze Jahr durchgezogen. Bis Februar / März haben wir eh viel geprobt, weil ich einfach die Zeit brauchte, um mit dem Kram richtig sicher zu werden. Dann haben wir diese Emergenza Dinger gespielt, wo wir von ausgegangen sind, dass wir es einmal machen und es dann erledigt ist, aber da sind wir dann auch zwei oder dreimal hin. Wir haben zwar immer mal einen Song angefangen, aber haben dann gesagt, lass lieber noch einmal ein bisschen live proben, also es war schon ein bisschen komisch. Hat nicht ganz so funktioniert. Ich kann mich erinnern, dass wir Ende letzten Jahres gesagt haben, wir machen live jetzt erst einmal gar nichts mehr …

(lautes Lachen von Stephan)

… aber dann war es ja nur voll mit Konzerten.

Stephan: Du nimmst es dir zwar vor, aber, wenn du ein Angebot kriegst, was du nicht ausschlagen kannst oder machen solltest, weil die Bandkasse ja auch eine Rolle spielt, nimmst du es an. Merchandise ist ja auch mal irgendwann alle und Neues kostet halt eine Menge Taler.

Matthias: Ich habe gerade auch noch einmal auf den Plan geguckt und die Sache in Solingen gesehen, das war auch so ein Termin, den wir eigentlich nicht spielen wollten, aber in Solingen und mit Assassin musst du einfach spielen. Wir fangen dann auch schon vier Wochen vorher das Proben an, damit wir uns live keine Lachnummer erlauben. Das muss schon passen.


Wie oft probt ihr dann vorher in der Woche?

Stephan: Unterschiedlich. Wie wir Zeit haben. Kurz vorher geben wir dann schon ein wenig Gas. Von drei Proben sind zwei dann definitiv für live. Oder sagen wir mal von vier Stunden, die wir haben, werden dann schon zweieinhalb / drei Stunden an der Live-Klamotte gearbeitet.

Markus: In der Regel haben sich zwei Termine eingebürgert.

Stephan: Mal fehlt einer oder wir haben wat zum knöstern, aber zu arbeiten gibt es genug.


Habt ihr denn mal einen Gig gehabt, bei dem ihr voll daneben gelegen habt?

Matthias: Oh ja, Remscheid.

Stephan: Da haben Obnoxious ihr 15jähriges Bestehen gefeiert, da sind wir nicht ganz so gut rübergekommen.

Markus: (lacht) War aber voll.

Stephan: War voll und auch spaßig, aber nicht einer der besten Gigs. Ich behalte ihn jetzt nicht in böser Erinnerung, aber er war schon durchwachsen.

Matthias: Doch, ich schon. Ich hatte Kopfschmerzen danach, das war unglaublich. Niemals volltrunken auf die Bühne gehen. (lacht)

Stephan: Die Gitarristen immer.


Hattet ihr denn schon einmal einen Gig, den ihr positiv in Erinnerung behalten habt?

Stephan: Eigentlich alle bis auf Remscheid.

(allgemeines Lachen)

Markus: Also für mich waren diese Emergenza Dinger cool. Gerade der erste und zweite Gig, wo noch mehr Metalbands am Start waren. Obwohl ich vorher nicht begeistert war. Das Umfeld ist einfach geil. Guter Tonmensch, geiler Lichtmensch …

Stephan: … große Bühne. Und das Gegenüber war super!

Markus: Da war ich noch zu aufgeregt.

Stephan: Okay, da warst du noch recht frisch, aber 120 Leute waren da und 119 haben abgefeiert. War super geil! Kleiner Laden, super Sound – Mosh it up, baby!

Matthias: Das hat wirklich Spaß gemacht.


In welche Richtung gehen die neuen Songs, gibt es grundlegende Veränderungen oder bleibt alles beim Alten?

Stephan: Grundlegend würde ich das nicht nennen, es ist vielleicht eine kleine Veränderung, aber da sollen sich die Leute ein Bild machen, wenn die Scheiben draußen sind.

Markus: Vielleicht wird Old School nicht mehr ganz so groß geschrieben und dafür gibt es einen Schuss Melodie mehr, würde ich sagen.






Was auf dich zurückzuführen ist?

Markus: Nee, gerade überhaupt nicht. (lacht)

Matthias: Das liegt dann eher an mir. Mich persönlich hat in den letzten Monaten das Riffing von Bands wie Exodus oder Annihilator begeistert. Es ist halt schon ein Unterschied zu früher, aber ich denke, wir haben einen guten Mix hinbekommen. Man hört schon, dass das drin steckt, was drauf steht, nämlich Mortal Remains.

Stephan: Man wird es definitiv wiedererkennen. Wenn man die „Full speed“ kennt und mag, wird man das wiedererkennen.

Matthias: Da waren auch schon viele unterschiedliche Sachen drauf.


Wie weit habt ihr euch den technisch weiterentwickelt und zugelegt?

Stephan: Da fragst du gerade die Richtigen. Woher sollen wir das beurteilen? Ich denke, das Songwriting ist ein bisschen durchdachter.

Matthias: Ich denke am Beherrschen des Instruments hat sich nicht viel geändert, denn du musst nicht so super gut sein, um einen guten Song zu schreiben. Die Illusion habe ich schon lange aufgegeben, da muss nicht die Frickelei an den Instrumenten ausschlaggebend sein.

Stephan: Venom!

Matthias: Genau, Venom haben es vorgemacht.

Stephan: I love it, I realy love it!


Wie erlebt ihr die Szene hier in Wuppertal? Gibt es überhaupt eine?

Stephan. Die Szene lebt. Nur die Leute kommen manchmal nicht so richtig aus’m Arsch. Die Szene ist ein bisschen bequem geworden, das Internet hat Vor- und Nachteile. Vorteile in Sachen Informationsfluss, denn du musst nicht einen Monat auf die Rock Hard warten, aber viele bleiben auch deswegen vor dem Rechner hängen. Konzerte – ach nee, schon wieder. Früher waren Undergroundkonzerte oder Konzerte generell ein großes Ereignis, gerade hier im Tal. Wir hatten früher, so Mitte der 80er, Anfang der 90er super Bands hier. Die Szene ist auch ein bisschen verwöhnt, gerade hier im Tal, das muss ich ganz ehrlich sagen.

Matthias: Das liegt auch daran, dass du von hier aus schnell im Pott bist. Wir leben in einer Metal – Hochburg, wo alles um die Ecke ist.

Markus: So wie ich das mitbekomme, ist es aber auch gerade diese Reisefaulheit, wie Stephan schon sagte, die Leute kriegen ihren Arsch nicht hoch. Z.B. bei der Destruction – Releaseparty wollte auch niemand mit.

Stephan: Ich habe Destruction schon x-mal live gesehen, ich brauche die nicht noch einmal.

Markus: Ja, ist ja jetzt nur ein Beispiel.

Stephan: Wir haben auch das Problem in Wuppertal, dass ein richtiger Meeting – Point fehlt. Wir haben zwar Szenetreffs wie Underground, Pavillon oder Börse. Pavillon ist z.B. Sonntags, asoziales Bier, scheiße teuer, wie auch der Eintritt in der Börse, so dass es auch nicht läuft. Im Großen und Ganzen sind die Leute einfach faul geworden. Wenn wir einen richtigen Szenepunkt hätten, wo man sich zu einer geilen Zeit immer treffen kann, würde das auch besser laufen.


Wer will, kann über eure Homepage die CD und Shirts ordern.

Stephan: T-Shirts, Kapus, Girlies…

Matthias: Kapus sind aus.

Markus: Alle?

Stephan: Vielleicht ist noch einer da.


Gut, dann habt ihr das Schlusswort. Was wolltet ihr schon immer loswerden?

Stephan: Thrash til death! Das wollte ich immer schon einmal loswerden. Ich liebe Venom! (lacht) Es gibt kein Schlusswort, mit uns ist noch nicht Schluss, mit uns müsst ihr noch rechnen!

Matthias: Vielleicht noch eine Randbemerkung zur Frage nach der Szene in Wuppertal. Also gerade wir können uns nicht beschweren. Wir bekommen so viel Unterstützung, dass wir uns bei den Leuten aus dem Tal und Umgebung bedanken müssen, dass die uns überhaupt so weit nach vorne gebracht haben.

Stephan. Ich hatte das jetzt unabhängig von Mortal Remains gesehen, wenn größere Bands nach Wuppertal kommen, ist der Zulauf auch nicht so toll. Man siehe das Mega Blast Festival. Das ging über zwei Tage und der Besuch hat auch ein bisschen nachgelassen, muss ich ganz ehrlich sagen. Und die Leute vom Klanggewitter habe ich da auch nicht gesehen! (lacht) Hallo!?

Matthias: Also zumindest hoffen wir mal, dass mehr ins Tal kommt. Die Jungs von Mega Blast, also Contradiction machen ja viel. Da bin ich mal gespannt, was jetzt aus dem Börsen – Ding wird, mal schauen.

Stephan: Underground kannst du noch empfehlen.

Matthias: Aber das ist halt eine Kneipe und viele stehen einfach drauf, zwischendurch abmoshen zu gehen.

Stephan: Ach, das mache ich nebenbei auf dem Barhocker!

Matthias: Pavillion ist von den Räumlichkeiten ganz geil…

Stephan: Scheiß Bier, scheiß Preise, scheiß Tag! Der DJ ist super, der spielt, was du ihm vorlegst. Überlassen wir doch das allerletzte Schlusswort unserem Schlagzeuger, weil der heute schon so viel geblabbelt hat. Der ist halt nur für die Drums zuständig, da kann man nicht viel erwarten.

(Stille)

Lappen: Ich habe nichts zu sagen, ich bin nur der Schlagzeuger.


Na gut, dann bedanken wir uns für das Interview!

Stephan: Wir haben zu danken!



Defroster & MacBeth


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