MidnattsolE-Mail-Interview 07.04.2006>> Mehr Material zur Band
Um die Nordic Folk Metal – Band Midnattsol ist es etwas ruhig geworden: Das Debütalbum „Where twilight dwells“ liegt über ein Jahr zurück und auch aus den geplanten Auftritten auf den „Dark & Mystery Music Nights“ ist letztendlich nichts geworden, da der Veranstalter sie absagen musste. Nun sind, wie man auf der offiziellen Homepage der Band nachlesen kann, wieder Auftritte der Damen und Herren in Sicht. Dies nahm ich zum Anlass, mal bei Klampfer Christian Hector nachzufragen, wie denn der Stand der Dinge ist.

Hallo! Ich hoffe, dir geht es gut. Steigen wir doch direkt in die Materie ein: Euer Album „Where twilight dwells" ist nun etwa ein Jahr und zwei Monate alt. Wie seht ihr die Scheibe heute, gibt es etwas, womit ihr nicht mehr zufrieden seid oder seid ihr mit dem Teil bis heute rundum glücklich?

Christian: Logisch, dass man einige Dinge im Nachhinein immer besser machen könnte. Es gibt ein oder zwei Songs, bei denen ich zum Beispiel mit dem Keyboardsound ganz und gar nicht zufrieden bin, aber da kann man eben im Nachhinein nichts mehr dran ändern. Auch die Gitarren hätten an der ein oder anderen Stelle etwas dominanter bzw. härter sein können. Im Großen und Ganzen bin ich aber natürlich noch zufrieden - die Fans geben einem da genügend Rückmeldung und Rückhalt. Also kann die Platte nicht sooo schlecht geworden sein, haha. Nein, aber im Ernst: Es wäre langweilig, wenn man schon mit der ersten Platte alles richtig macht und danach keine Chance mehr auf Verbesserung hätte. Wir sind eben eine Newcomer-Band und somit noch am Anfang unserer Entwicklung. Aber wie gesagt, ich kann nach wie vor zu "Where Twilight Dwells" stehen und das ist die Hauptsache!

Was habt ihr in dem Jahr nach der Veröffentlichung eures Debütalbums alles erlebt? Es gab sicherlich Höhen und Tiefen, oder?

Christian: Also ehrlich gesagt kann ich mich an keine Tiefen erinnern. Klar, man hatte vielleicht mal einen weniger guten Auftritt abgelegt, aber im Nachhinein war sogar das Fiasko in Österreich amüsant: Wir sind gute zwölf Stunden mit unseren Privatkarren bis fast an die österreich-ungarische Grenze gegurkt - mitten im strömenden Regen und Nebel abenteuerliche Serpentinen ohne Leitplanke durch das Gebirge gekarrt - und dann gleich auf die Bühne. Der Auftritt war wirklich mies und die Stimmung danach mau. Am nächsten Morgen ging es mit Kater wieder zwölf Stunden heimwärts... Aber das zähle ich eher zu "Geschichten, die man mal seinen Kindern erzählen kann". Höhen gab es einige. Allen voran das „Metal Female Voices Festival“ in Belgien. Die Fans waren dermaßen überschwänglich... An dem Abend konnten wir uns erstmals vorstellen, wie es sein muss, ein wirklicher Rockstar zu sein, haha, sehr cool! Einen richtigen Tiefpunkt hatte ich nach den Konzerten im letzten Jahr. Da fiel ich in ein Loch - hab mich aber dank der Arbeit am Ahab-Album recht schnell wieder gefangen.

Wenn ich das richtig gesehen habe, seid ihr hauptsächlich auf Festivals aufgetreten. Gab es auch Überlegungen für eine Hallen-Tour? Ihr solltet ja auf den „Dark & Mystery Music Nights“ auftreten, die aber vom Veranstalter abgesagt wurden.

Christian: Eine Hallentour kam für uns letztes Jahr fast nicht in Betracht. Einzig aus dem Grund, dass alle für Prüfungen lernen mussten bzw. einem regulären Job nachgingen. Aber ich denke, für uns war die Wahl, nur auf Festivals aufzutreten, die Richtige, denn als Newcomer ist man auf ein möglichst breites Publikum angewiesen. Wir hatten zwar Angebote für Touren mit beispielsweise Paradise Lost, aber haben dann leider ablehnen müssen und wollen.

Woher kommt eigentlich euer Bandname? Hat er eine Bedeutung?

Christian: Midnattsol heißt zu deutsch "Mitternachtssonne" und beschreibt das Phänomen des nachtlosen Tages in den Polargegenden. Solltest Du Dir mal anschauen! Ich hatte das Glück mir dies in Lappland anno 2004 anzuschauen. Sehr beeindruckendes Gefühl, wenn die ganze Nacht die Sonne unter- bzw. aufgeht und keine Dunkelheit herrscht.

In eurem Forum kann man sich davon überzeugen, dass ihr gerne direkten Kontakt zu euren Fans pflegt, da ihr da sehr stark vertreten seid. Ihr fragt nach Ideen für das neue Album oder welchen Song Midnattsol covern könnten. Das macht nicht jede Band, da muss ich euch mal ein Lob aussprechen!

Christian: Danke, aber für uns ist das auch ein bisschen Eigennutz, haha. Es ist für jeden Musiker schön, wenn er positive (aber auch negative) Kritik bekommt. Außerdem macht es Spaß, mit Leuten aus aller Welt zu kommunizieren. Wann lernt man denn schon mal Leute aus Brasilien, Chile, Russland o.ä. kennen... Andererseits finde ich es auch schön, dass man im direkten Kontakt auch mal freche oder sarkastische Kommentare zu lesen hat. Ich denke, ich spreche für alle von Midnattsol, wenn ich sage, das nur "Ja-sagende" Fans langweilig sind. Außerdem entwickelt sich auch so etwas wie eine Freundschaft. Wir setzen beispielsweise auch Leute aus dem Forum auf unsere Gästelisten und treffen sie dann vor Ort.

Wurde denn jetzt eine Coverversion von euch ins Auge gefasst?

Christian: Carmen hat eine norwegische Volksweise im Auge, die sehr schön klingt. Coversongs von anderen Bands spielen wir wenn, dann nur live. Amorphis' "Drowned Maid" hatten wir beispielsweise auf dem Feuertanz-Festival zum Besten gegeben. Mir persönlich hat der Vorschlag "Bard's Song" von Blind Guardian zu covern sehr gefallen. Mal sehen, ob die anderen die Idee aus dem Forum auch gut finden.

Wurden von den Fans Dinge vorgeschlagen, die ihr tatsächlich beim nächsten Album umsetzt?

Christian: Nun ja, man hat natürlich seine eigenen Vorstellungen wie ein zweites Album klingen könnte. Aber einige Vorschläge haben sich schon mit unseren eigenen Plänen überschnitten. Beispielsweise, die Produktion ein wenig "härter" zu machen, stieß auf viel Gegenliebe. Auch die Überlegung, cleane männliche Vocals zu benutzen, die wir eigentlich bereits beim ersten Album umsetzen wollten, kam auch noch mal von den Forum-Leuten.

Du gibst in deinem Profil „Arise“ (Sepultura), „The Rack“ (Asphyx) oder auch „In The Nightside Eclipse” (Emperor) als deine absoluten Lieblingsalben an. Eure eigene Musik unterscheidet sich von den Platten ja nun deutlich. Hättest Du nicht mal Lust, einen richtig ‚harten’ Song zu schreiben?

Christian: Mit Midnattsol möchte ich keine richtig harten Songs aus dem Death oder Black Metal-Bereich machen. Das würde die Idee von Midnattsol ad absurdum führen. Midnattsol ist und bleibt eine Nordic Folk Metal Band. Wenn ich brachiale und fiese Songs schreiben oder spielen möchte, kann ich dies bei Ahab tun, der "Zweitband" von Daniel Droste, Stephan Adolph und mir. Ich bin momentan sowieso eher für schleppend langsame Musik (Funeral/Death Doom) zu haben. Ahab (www.ahab-doom.de) werden übrigens ihr Doom-Debüt ebenfalls bei Napalm Records veröffentlichen. Die Platte "The Call Of The Wretched Sea" ist soweit im Kasten. Es fehlen nur noch Booklet und Promopix... Ich bin also musikalisch in beiderlei Hinsicht versorgt, haha.

Es ist eine Tatsache, dass oft Differenzen zwischen Grufties und Metallern bestehen. Jetzt bist du ein lebendes Beispiel, dass es auch anders geht, schließlich hörst du - wie angesprochen – selber Platten, die jeder eindeutig in die ‚Metal – Schublade’ packen würden und trittst mit Deiner Band auf Gothik – Festivals auf. Wie siehst du die angesprochene Problematik?

Christian: Ich sehe darin keine Problematik. Sicher gibt es viele Leute, die sich gerne komplett abgrenzen. Andererseits sind die Szenen inzwischen dermaßen gemischt, dass man gar nicht mehr von DEM Gothic oder DER Metallerin sprechen kann. Nehmen wir beispielsweise Opeth: Eine ausgesprochen metallische Band. Trotzdem findet man auf Festivals wie dem „Wave Gotik Treffen“ hunderte Goth-Mädels mit Opeth-Aufnähern oder Shirts. Andererseits hören viele Metaller die krasseren Scheiben von Das Ich o.ä. Und ein weiteres Phänomen: Der Metaller und seine Gothic-Freundin. Wie viele ultraböse Metaller rennen mit einem hübschen Electro-Mädchen an der Hand herum. Letztendlich sind die Einstellung und das Lebensgefühl von Metallern und Goths gar nicht so verschieden. Mal abgesehen von den wirklichen Extremen, die mir aber bei beiden Szenen auf die Eier gehen. Mir geht es um Musik.

Ihr habt ja nun zwei attraktive Damen in eurer Band, gab es da schon mal Probleme mit aufdringlichen Kerlen?

Christian: Jein, auf dem „Summer Breeze“ gab es ein paar Proleten (die allerdings sehr nett waren), die Carmen in den Ausschnitt geknipst haben, aber das ist ja eher harmlos. Aber natürlich haben wir es auch erlebt, das unschöne Sprechchöre von besoffenen Dorfbauer-Metallern über das Festivalgelände schallten. Was soll's - das gehört dazu, auch wenn es nervt. Einmal hatte ich allerdings ein wenig Angst um Carmen. Beim Metal Female Voices-Fest in Belgien sind wir zum Merchandise-Stand durch die Halle getingelt und plötzlich waren wir umringt von einer Menschentraube, die über ne Stunde Photos und Autogramme machen bzw. haben wollte. Mit der Zeit haben sie sich Carmen geschnappt und ich hab nur noch ab und an ihr blondes Haar aufblitzen sehen. Aber als ich sie fragte, ob alles okay sei, meinte sie nur: "Klar, ist zwar anstrengend, aber die sind alle so nett!". Also, es hält sich alles, wie Du siehst, in Grenzen und ist eher angenehm.

Mal zurück zu angenehmeren Fragen: Jetzt stehen erstmal drei Festivals an, was erwartest du von den Gigs?

Christian: Schwierige Frage. Also von dem „Metal Female Voices“ erwarte ich mir den besten Gig, den wir bisher abgeliefert haben. Deswegen möchte ich vor dieser Show extrem ausführlich proben. Ich hoffe, wir kriegen das hin! Das „Mystic Festival“ in Kürze wird sozusagen der Auftakt zur kommenden Saison. Mal sehen, wie das wird. Und auf das „M'era Luna“ freue ich mich ebenfalls - ist ja schließlich eines der größten Düsterfestivals in Deutschland... Aber ehrlich gesagt spiele ich schon lieber auf Metal-Festivals... haha!

Was planst du bzw. ihr für die Zukunft?

Christian: Also momentan steht die Fertigstellung des Ahab-Albums an. Diesen Sonntag geht es endlich auch wieder mit Midnattsol weiter. Die Prüfungen meiner Bandkollegen sind soweit vorbei und wir können wieder richtig loslegen. Ansonsten hoffe ich, dass es so gut weiter geht wie beim ersten Album.

Gut, dann bedanke ich mich recht herzlich für das Interview und wünsch euch weiter frohes Schaffen! Ihr habt das letzte Wort.

Christian: Danke für das Interview! Schaut doch mal bei uns im Forum vorbei: www.midnattsol.com/forum.


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