MaroonE-Mail Interview - 15.4.2009>> Mehr Material zur Band
Maroon sind nun schon seit Jahren unterwegs und sorgen mit ihren Alben regelmäßig Schlagzeilen. Auch mit dem neuen Meilenstein 'Order' ist das nicht anders.


Klanggewitter.com: Ich hoffe bei dir ist alles klar. Erst einmal Glückwünsche zum neuen Album, hat mir wirklich sehr gut gefallen. Das Album steht jetzt bald in den Läden, in wieweit habt ihr schon Reaktion zum Album erhalten? Wie sind die ausgefallen?

Tom: Bis jetzt schon fast erschreckend positiv ha ha! Also wirklich, alle finden die Platte richtig gut, was mich natürlich sehr freut. Wir finden sie auch richtig gut und haben viel Zeit und Arbeit in die Platte gesteckt. Wenn man dann soviele positive Rückmeldungen bekommt, ist man natürlich glücklich und erleichtert!

Klanggewitter.com: Euer neues Album ist um einiges düsterer als die bisherigen Werke und hat diese atmosphärischen Elemente die bisher bei euch noch nicht in dem Ausmaße vorgekommen sind. Zudem sind die Melodielinien um einiges ausgeprägter. Wie ist es zu dieser Entwicklung gekommen? Handelt es sich dabei um eine bewusste Entscheidung oder hat sich das beim Songwriting ergeben?

Tom: Sowas entsteht bei uns immer während des Songwritings. Die einzige Vorgabe, die wir uns vielleicht machen ist, dass wir versuchen nicht dasselbe zu machen wie auf der Platte zuvor. Uns ist es extrem wichtig dass auch die Songs auf einer Platte sich durch eine gewisse Abwechslung auszeichnen. Wir schreiben die Songs einfach und machen sie so gut es geht fertig. Aber gerade so Spielereien und noch ein paar Melodien und Harmonien und Soli und so Zeugs machen wir meistens im Studio, wenn das Grundgerüst schon aufgenommen ist. Riechtor setzt sich dann im Studio mit den Demos ein paar Tage hin und guckt, wo noch eine Melodie oder Harmonie drauf kann und dann denkt er sich da was aus.

Klanggewitter.com: Wie sieht das Songwriting und die Vorbereitung auf eine neue Platte bei euch im Generellen aus? Schreibt ihr zusammen im Proberaum oder machen einzelne die Sachen fertig?

Tom: Wir sagen halt irgendwann es wird mal wieder Zeit über neue Songs nachzudenken und dann treffen wir uns mal wieder im Proberaum. Diesmal haben wir ja bewusst fast keine Shows gespielt seit April 2008, weil wir die Zeit zum Songwriting nutzen wollten, aber dann haben wir uns erstmal monatelang kaum gesehen ha ha, jeder hat Zeit mit seiner Familie verbracht, also hatten wir am Ende doch wieder Zeitdruck ha ha! Aber ich glaube dieser Zeitdruck hilft uns beim Schreiben. Dann kommt halt meistens ein Gitarrist mit einem Riff, und wenn uns das gefällt, arbeiten wir daran. Ein Riff folgt dann dem Nächsten, wir denken über Übergänge nach usw. Also wir machen das schon alle zusammen. Wenn wir dann so 6 Lieder grob fertig haben, kommt Riechtor schon mit den ersten Solo-Vorschlägen und Andre und ich mit den ersten Texten. Aber gerade Soli und Texte machen wir auch viel direkt im Studio.

Klanggewitter.com: Wie ist es mit der Zusammenarbeit mit Markus in der Klangschmiede E gekommen? Eigentlich produziert er ja eher andere Musikrichtungen, wieso wolltet ihr gerade zu ihm?

Tom: Weil wir alle große VISION BLEAK und EMPYRIUM Fans sind und gerade den Sound auf der letzten VISION BLEAK fanden wir richtig gut. Also haben wir ihn gefragt ob er Bock hätte mit uns zu arbeiten und er hat zugesagt. Markus zu wählen war eine sehr gute Entscheidung und das Arbeiten war ein riesen Spaß, wir waren sofort auf derselben Wellenlänge was bei einem so intensiven Arbeitsprozess nicht ganz unbedeutend ist!


Klanggewitter.com: Was haltet ihr denn von Markus Bands, sei es Empyrium oder The Vision Bleak?

Tom: Wir finden die toll. Andre hat mich vor Jahren auf EMPYRIUM aufmerksam gemacht und seit dem höre ich die sehr gerne. Und ich finde THE VISION BLEAK sogar noch besser! Die letzten beiden Platten sind einfach genial und vor allem klingen die super!


Klanggewitter.com: Was habt ihr aus den Aufnahmen mit ihm mitgenommen?

Tom: Wir haben diesmal völlig anders gearbeitet. Sonst waren wir immer für 1 bis 2 Monate in Dänemark oder sonst wo und haben dort jeden Tag in der Woche intensiv gearbeitet. Diesmal haben wir wirklich nur 5 Tage die Woche im Studio und in unserer Unterkunft verbracht und sind dann über das Wochenende nach Hause gefahren. Am Anfang hatte ich Angst, dass diese Arbeitsweise irgendwie nicht funktioniert, weil man Montag jedesmal von vorn beginnen muss. Das Gegenteil war der Fall. Man hatte Anfang der Woche wieder neue Ideen und war frisch und scharf drauf weiter zu machen. Außerdem ist Markus ein extrem angenehmer Zeitgenosse, der ähnlich tickt wie wir. Wir haben uns auf Anhieb prima verstanden und so war die Zusammenarbeit wirklich perfekt!


Klanggewitter.com: Danach ging es dann weiter zu Fredrik Nordström zum Mischen und dann in die West West Side Studios zum Mastern. Warum habt ihr euch genau diese Leute ausgesucht, das ist immerhin ein ganz schon weiter Weg, den das Material dann insgesamt zurückgelegt hat?

Tom: Uns war halt einfach wichtig, dass wir einen individuellen Sound bekommen. Wir wollten nicht nach einem bestimmten Studio klingen. Also haben wir uns entschlossen, die 3 wichtigsten Arbeitsschritte eine Produktion aufzuteilen! Fredrik war ein Wunsch, den wir früher schon mal hatten, aber damals hatte er keine Zeit für uns. Diesmal hatte er Zeit also haben wir bei ihm gemischt, was auch super war! Alan in den West West Side Studios war ein Tipp unseres A & R Max bei Century Media und auch wir haben durch verschiedene Bands schon von ihm gehört. Also wurde das Teil dort gemastert!


Klanggewitter.com: Ihr habt mit "Schatten" eure erste Nummer mit deutschem Text auf dem Album. Warum habt ihr euch entschlossen jetzt was in Deutsch zu machen und wie seit zu den Arbeiten von Friedrich Rückert gekommen?

Tom: Andre kam irgendwann mit diesem Gedicht von Rückert. Das Gedicht, welches uns als Vorlage diente, ist Teil eines sehr intensiven und ganz schön schwer verdaulichen Gedichtzyklus von Rückert, den er schrieb, um den Tod zweier seiner Kinder zu verarbeiten. Also ziemlich harter Stoff, der uns sehr beeindruckt hat. Anfangs war ich skeptisch angesichts des deutschen Gesangs, weil es nur wenige Bands gibt, denen ich in dieser Richtung was abgewinnen kann. Das Stück Schatten war anfangs als Instrumental gedacht aber wir konnten uns mit dieser Idee nie so richtig anfreunden also hatte Andre die Idee es mal mit diesem deutschen Text zu probieren. Wir haben das Lied dann zum ersten Mal im Studio mit Gesang gehört und alles passte perfekt! Wir hatte eine Gänsehaut und waren total weggeblasen!


Klanggewitter.com: Ihr habt mit 'Order' nun eurer fünftes Album veröffentlicht, seid nun schon seit einigen Jahren unterwegs und habt euch einen gewissen Ruf als Band erspielt. Wenn ihr an die Bandanfänge denkt, ist das etwas, was ihr abgesehen habt, bzw. etwas was ihr erreichen wolltet? Wie seht ihr eure Possition in der Szene selber? Was habt ihr euch für weitere Ziele gesetzt? Gibt es noch Sachen, die auf der "Liste" stehen und die ihr noch unbedingt machen wollt?

Tom: Sowas ist immer sehr schwer zu beurteilen, wenn man nicht von außen guckt. Ich kann nicht sagen, ob wir eine Position in irgendeiner Szene haben und wie diese Position aussieht. Mir hat erst kürzlich ein 18-jähriger Fan erzählt das „ANTAGONIST“ seiner Meinung nach ein Meilenstein und ein Kultalbum ist. Als wir dieses Album aufgenommen haben, war dieser Typ 10 Jahre alt. Das hat mich schon sehr glücklich gemacht und ich hätte am Anfang niemals gedacht, dass mal jemand sowas zu mir sagen würde. Ich meine, wir haben angefangen, weil wir riesige Musik-Fans waren. Wir wollten auch mal irgendwann einen Song in einem richtigen Studio aufnehmen und vielleicht sogar irgendwann mal in einem großen Magazin erwähnt werden. Aber jedesmal, wenn ich mir damals meine Platten angehört habe, dachte ich diese Typen haben es geschafft. Und hätte mir damals jemand erzählt, dass ich mit meiner Band mit Bands wie OBITUARY, SEPULTURA, SAMAEL, NAPALM DEATH, EARTH CRISIS oder CARCASS spielen oder auf Tour sein werde und das alle diese Bands nun Freunde von mir sind, wäre ich tot umgefallen! Das war alles so weit weg. Ich weiß noch, als ich das erste Mal in der Rock Hard einen Live-Termin von MAROON gelesen habe. Da stand wirklich nur MAROON und 25 TA LIFE dann und dann in Stuttgart. Ich habe diesen Schnipsel allen Leuten gezeigt und dachte besser kann es nicht werden ha ha! Und deswegen fällt es mir schon schwer, das alles manchmal fassen zu können! Seit mehr als 5 Jahren mache ich nichts weiter als Musik und verdiene mein Geld damit. Das hätte ich mir nie erträumen lassen. Es gibt Hunderte Leute, die sich unser Logo oder Textzeilen, die ich geschrieben habe, tätowiert lassen haben. Sowas haut mich immer noch um! Wir wollen immer noch jedesmal einen Schritt weiter kommen aber eigentlich sind wir eine Band, die Sachen auf sich zukommen lässt.


Klanggewitter.com: Dann danke ich dir, dass du dir die Zeit für uns genommen hast. Die letzten Worte gehören dir.

Tom: Vielen Dank für das Interview. VIVA HATE!



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