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Symphony For The Devil
Lange, lange war es verdammt still rund um die Jungs von Type O Negative. Der letzte Longplayer, „Life is killing me“, liegt bereits drei Jahre zurück und überhaupt bedeuten zwei Studioalben in zehn Jahren („World coming down“ (1999) und eben „Life is killing me“ (2003)) nicht gerade einen Positiv-Rekord im Bereich ‚Veröffentlichungsfreudigkeit’. In den 90ern schüttelten sich die eigenwilligen und von der Presse nicht immer uneingeschränkt positiv rezensierten New Yorker die Klassiker noch reihenweise aus dem Ärmel („Slow, deep and hard“ (1991), „Bloody kisses“ (1993), „October rust“ (1996)), ehe mit dem 99er-Output „World coming down“ der Type O Negative - Motor, sowohl was die Qualität als auch die Quantität der Veröffentlichungen anbelangte, etwas ins Stocken geriet. Laut Presse-Infoschreiben sind die seinerzeit aus der umstrittenen Formation Carnivore hervorgegangenen Type O Negative auch heute noch ‚die wichtigste Band der Gothic Metal - Szene’, doch genau diese These halte ich für sehr gewagt in Anbetracht dessen, wie rar sich Peter Steele & Co. in den letzten Jahren gemacht haben. Denn selbst eine Band, die wahlweise als Meister der Bösartigkeit, Melancholie, des Zynismus’, Sarkasmus’ oder Weltschmerzes bezeichnet wurde/wird und ihre Wände mit zahlreichen Gold- oder Platin-Auszeichnungen tapezieren konnte, sollte hin und wieder mal etwas von sich hören lassen, um ihren Status nicht zu verlieren.

Und genau dies – nämlich mal etwas von sich hören lassen – beherzigen Type O Negative nun, indem sie ihren Fans über Steamhammer/SPV die erste Live-DVD der Bandgeschichte kredenzen. Kernstück von „Symphony for the devil“ ist dabei ein Live-Mitschnitt des Type O - Auftritts auf dem Kölner Bizzarre Festival aus dem Jahr 1999. Der Schwerpunkt bei der Songauswahl liegt eindeutig bei den Alben „Bloody kisses“ und „October rust“, was mir sehr gelegen kommt, handelt es sich dabei doch um meine persönlichen Type O Negative - Favoriten. So kommen so ziemlich alle damaligen Hits der Band zum Zuge wie z.B. „My girlfriend’s girlfriend“, „Love you to death“, „Christian woman“ oder das unvermeidbare „Black #1“, lediglich „Summer breeze“ vermisse ich schmerzlich. Peter Steele (g., b.), Josh Silver (k.), Kenny Hickey (g.) und Johnny Kelly (d.) sind zwar keine Hampelmänner auf der Bühne – das würde schließlich auch nicht zur Musik passen – verstehen es aber in souveräner Art und Weise, eine ganz besondere Konzertatmosphäre zu schaffen, die natürlich bei eintretender Dunkelheit durch die typische, schwerpunktmäßig in grün gehaltene Light-Show noch verstärkt wird. So gelingt es der Band mühelos, die Fans, die selbstverständlich nicht von einem Circle-Pit in den nächsten springen – auch das würde nicht zur Musik passen – magisch in ihren Bann zu ziehen. Da die Bild- und Soundqualität (Stereo PCM, Dolby Digital 5.1) ebenso wenig Wünsche offen lässt wie die Kameraführung und der Schnitt, kann man von einem rundum gelungen in Szene gesetzten Live-Mitschnitt reden (der übrigens auch mit zugeschaltetem Audio-Kommentar konsumiert werden kann).

Selbiger – der Live-Mitschnitt nämlich – wird immer wieder durch typische Backstage-, Tourbus- und andere Albereien, die von Bandmitgliedern mit Handkamera gefilmt wurden, unterbrochen. Dabei zeigt sich, dass es sich bei den vier Musikern von Type O Negative keineswegs um depressive, notorisch schlechtgelaunte Zeitgenossen handelt, die zum Lachen in den Keller gehen: fixiert man sich gerade einmal nicht auf irgendein primäres oder sekundäres Geschlechtsteil, wird nach Herzenslust ein alkoholbedingt schlafendes und bemitleidenswertes Opfer bis zur Unkenntlichkeit mit einem schwarzen Filzstift bemalt. Ich persönlich halte solches ‚Behind the scenes’ - Material bis auf wenige Ausnahmen zwar für überflüssig, da langweilig, doch den beinharten Type O Negative - Fans wird’s sicherlich gefallen, sowie das eine oder andere Schmunzeln abringen, und für mich gibt es am DVD-Player schließlich die Skip-Taste. Interessanter kommt da schon das 27minütige Interview mit der Band daher, das laut Inhaltsangabe der DVD ‚never before seen’ ist – wär’ auch noch schöner, wenn nicht! Zur Abrundung des insgesamt etwa 2¼stündigen Silberlings tragen eine Foto-Galerie, sowie (Kurz-)Biografien der einzelnen Musiker bei. Des weiteren liegt der DVD eine Bonus-CD bei, die ein interessantes 6minütiges, während einer Studiosession entstandenes Santana-Medley, bestehend aus den Songs „Evil ways“, „Oye como va“ und „Black magic woman“, enthält.

„Symphony for the devil“ ist unter dem Strich ein für Type O Negative - Fans absolut lohnenswertes Produkt geworden, das den Ansprüchen des DVD-Marktes hinreichend Genüge leistet und das ich somit jedem Fan der Band bedingungslos empfehlen kann. Nörgler werden eventuell die Tatsache kritisieren, dass man einen im Prinzip bereits veralteten Konzert-Mitschnitt aufwärmt, um nach Jahren der Abstinenz mal wieder ein bisschen Kohle zu machen, doch ich persönlich kann die Wahl nur begrüßen, befanden sich Type O Negative meines Erachtens nach doch zu besagtem Zeitpunkt mit den ersten drei Alben (insbesondere „Bloody kisses“ und „October rust“) und einer daraus resultierend absolut überzeugenden Setlist in der Hinterhand auf dem Gipfel ihrer Leistungsfähigkeit.

Type O Negative - Fans müssen übrigens wohl nicht wieder drei Jahre bis zur nächsten Veröffentlichung ihrer Lieblinge warten: Das neue Studioalbum soll laut Presse-Infoschreiben ‚in absehbarer Zeit’ erscheinen.

ShamRock


Tracklist:

01. In the flesh
02. Cinnamon girl
03. Waste of life
04. Too late: Frozen
05. In praise of Bacchus
06. Kill all the white people
07. Cornucopia
08. Wolf moon (including Zoanthropic paranoia)
09. Everything dies
10. My girlfriend’s girlfriend
11. Are you afraid?
12. Gravity
13. Black sabbath intro
14. Christian woman
15. Love you to death
16. Black #1
17. Credits

Bonus material:
Behind the scenes
An exclusive never before seen interview
Photo gallery
Audio commentary
Biographies

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